Review-Runde: Tinashe, Tosca, Jessie Ware, T.I.

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Siehe mal da, die Review-Runde wird langsam alt und ist schon längst kein kleines Ründchen mehr. Die diesmalige Ausgabe ist mittlerweile schon die 20ste. Ob die Themen dadurch reifer werden, ist zwar sicherlich Ansichtssache, aber auf dem Papier sieht es schon mal ganz danach aus: So wären da beispielsweise die neuen Alben der beiden Soul-Damen Tinashe und Jessie Ware, die besonders Connaisseuren des Genres zu empfehlen sind. Weiterhin veröffentlichen Tosca nach dem recht dunklen Odeon aus dem letzten Jahr ein reines Pop-Album. T.I. dagegen versucht einmal mehr der Rolle als King des Dirty South gerecht zu werden und hat sich dafür die Hilfe von Pharrell Williams geholt.

Tinashe – Aquarius

Tinashe aquariusEine Girlgroup als Karrierestart nutzen? Okay. Die Girlgroup dann aber locker in Sachen Popularität in die Tasche stecken? Noch besser. Und nein, wir reden hier nicht von der wohl berühmtesten Popdiva dieses Jahrzehnts, Beyonce, sondern von nicht mehr so ganz Newcomerin Tinashe. The Stunners, ihre kurzlebige, dafür aber immerhin mit Justin Bieber tourende, erste Chance im Showbusiness, hielt sie nicht lange davon ab, ihren eigenen Output in Form von zahlreichen zwar qualitativ schwankenden, aber dafür ambitionierten Mixtapes auf einen Martk zu werfen, der einen neuen Superstar jederzeit willkommen heißt. Aquarius ist ihr erstes richtiges Album und das merkt man nicht nur am kommerziellen Vertrieb, sondern auch am homogenen, stets konsistenten Sound. Der Titel kommt nicht zufällig daher, schließlich bewegen sich die kristallklar produzierten R&B-Ohrwürmer irgendwo zwischen Pazifikozean und durchnässter Clubnacht. Dabei spielen nicht nur 90er Jahre-Ikonen wie Janet Jackson eine maßgebende Rolle als Vorbild, auch modernerer, immer mehr an die Oberfläche sickernder Sound wie UK Bass und Trap nehmen ein Stück im Gesamtbild der Produktion ein. Die Feature Partner wie Schoolboy Q, A$AP Rocky und Future liefern zwar nicht die besten Verse ihrer Karriere auf der spacig entspannten Produktion, runden aber schön die Geschichten über Ex-Freunde, unerwiderte Liebe und Nächte, an die man sich nicht mehr erinnern kann, ab. Trotz einiger fragwürdiger Momente wie All Hands On Deck, Thug Cry oder die etwas zu melodramatischen Interludes, die das Konzept etwas zu direkt herüberbringen wollen, macht es doch großen Spaß sich mit diesem Album treiben zu lassen. Ein wenig Feinschliff in Sachen Subtilität und eine kleine Prise Erfahrung könnten aus Tinashe mehr machen, als sie ohnehin schon ist.

Zolin sagt: 7 von 10

Tosca – Outta Here

tosca outta hereEin Schnappschuss ist für die jeweilige Person etwas feines. So lässt sich beispielsweise ein besonderer Moment mit möglichst wenig Aufwand festhalten. Doch was ist von einem Album zu erwarten, das die Band selbst als musikalischen Schnappschuss betitelt? Das österreichische Duo Tosca war bislang hauptsächlich für ihre herausragenden und durchdachten Ambient- und Chill Out-Alben bekannt. An Bord waren zur Auflockerung des Stoffes aber auch stets einige poppige Nummern, die ihre Aufgabe nicht nur erfüllten, sondern auch durchaus Spaß gemacht haben. Verständlicherweise sind es gerade diese Songs, die das Duo live performt, zuletzt mit den Vokalisten Cath Coffey und Earl Zinger. Als Schnappschuss dieses Live-Erlebnisses ist Toscas mittlerweile schon siebtes Studioalbum Outta Here angelegt. Grundsätzlich kann man Tosca bei dem Album attestieren, dass die Idee wie geplant aufgeht, nur das Ergebnis wird dadurch leider nicht der hohen Qualität ihres sonstigen Outputs gerecht. Den besonderen elektronischen Spielereien, die zugegebenermaßen auch auf Outta Here vorhanden sind, wird leider viel Raum durch die ständige Beteiligung eines Vokalisten genommen. Hinzu kommt, dass die Stimmen von Cath Coffey und Earl Zinger zwar für ein einzelnes Feature in Ordnung gehen, aber kein Album tragen können. Im Hintergrund kann man trotzdem erahnen, was Outta Here durch weniger Sänger-Beteiligung für ein tolles Album hätte werden können. Tatsächlich passt die Bezeichnung Schnappschuss ganz gut: Für Tosca war die Aufnahme sicherlich ein Spaß, doch für diejenigen, die ein neues Album von einer der besten Ambient Bands erwartet haben, ist Outta Here eher ein verwackelter Schnellschuss.

Zolin sagt: 5 von 10

Jessie Ware – Tough Love

jessie ware tough loveDass man es als Sänger, der vor allen Dingen durch seine Features mit Elektronikern bekannt wurde, doch zu etwas bringen kann, ist nicht erst seit Sam Smith bekannt. Auch Jessie Ware veröffentlichte erst nach unzähligen Zusammenarbeiten mit Sbtrkt oder Joker ein eigenes Album mit dem Titel Devotion. Es war nicht nur das verheißungsvollste, sondern auch sicherlich eines der besten Pop-Alben des Jahres 2012. Besonders der nahezu eisigen Stimme Wares, der minimalen Produktion und den effektvoll ausgearbeiteten Songs, ist dies zu verdanken. Das der Nachfolger unter den Conaisseuren der Pop-Musik zu den meisterwarteten Alben des Jahres gehörte, versteht sich daher von selbst. Nun ist der Zweitling Tough Love endlich da und soll die hohen Erwartungen erfüllen. Die Liste der Kollaborateure liest sich dieses Mal noch eindrucksvoller: So sind neben BenZel, der den Großteil des Albums produzierte, unter anderem noch Popschwergewichte Blood Oranges Dev Hynes, sowie Lana Del Rey-Produzent Emile Haynie und Ed Sheeran dabei. Julio Bashmore und Dave Okumu, die hauptsächlich das Debüt produzierten, sind nur noch mit jeweils einem, bzw. zwei Songs vertreten. Das hört man leider deutlich. Die Songs sind zwar nicht deutlich kommerzieller, wirken aber eher auf Marktkompatibilität getrimmt. Das ist größtenteils OK, wird aber bei der Schnulze Say You Love Me schon ordentlich nervig. Die besten Momente hat Tough Love aber genau dann, wenn sich die Produktion eher zurücknimmt und der kühlen Ware das Mikrophon überlässt, wie bei Sweetest Song oder Kind Of… Sometimes… Maybe…. Immerhin sind diese Momente vorhanden und daher ist Tough Love auch keine übermäßige Katastrophe, sondern geht als Pop-Album durchaus klar. Mehr aber nicht.

Zolin sagt: 6 von 10

T.I. – Paperwork

t.i. paperworkT.I. scheint einfach nicht müde, davon zu erwähnen, dass er der King ist. Naja, immerhin hat er als Erfinder des Traps und nach modernen Klassikern wie King auch guten Grund dazu. Nur seine letzen Alben Trouble Man: Heavy Is The Head und No Mercy haben nochmal kräftig an diesem Status gerüttelt. Da wird es doch mal wieder Zeit, den großen Worten auch mal Taten folgen zu lassen. Am besten in Form eines neuen Albums. Genau dieses legt T.I. mit Paperwork jetzt vor. Nachdem das letzte Album durch zu viele und teils sehr willkürliche Features sehr verwässert und zerstreut klang, schien T.I. eine starke Führungshand gefehlt zu haben. Diese hat er nun in der Person Pharrell Williams gefunden, der an dem Album nicht nur als Executive Producer, sondern auch an vier Tracks direkt mitwirkte. Das gesamte Album profitiert davon nicht nur in Form einer höheren Homogenität, sondern auch ganz simpel von einer noch besseren Produktion. Und das obwohl bis auf King, Sugar Cane und I Don’t Know jeder Song mindestens einen Gast hat. Der Unterschied ist einfach, dass die Features nun besser passen und nicht reingepresst wirken. Doch das ist natürlich kein ausreichendes Argument für ein gutes Album. Das hat Paperwork aber auch gar nicht nötig, denn dafür sind die einzelnen Songs viel zu stark, wie die trappige Vorabsingle No Mediocre mit T.I.s ehemaligen Schützling Iggy Azalea, oder der Closer You Can Tell How I Walk. Dass T.I. selbst in Höchstform nicht zu der Klasse eines Kendrick Lamars oder Drakes aufschließen kann, ist ganz einfach sowohl seiner technischen, als auch struktellen Limitierungen geschuldet. Aber das ist in Ordnung, welcher King ist schließlich schon perfekt?

Zolin sagt: 7.5 von 10

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