Review: DJ Koze – Reincarnations, Pt. 2

DJ Koze - Reincarnations, Pt. 2

Dass DJ Koze letztes Jahr mit seinem zweiten Album Amygdala das beste Album des Jahres ablieferte, war nicht unbedingt eine Überraschung. Denn obwohl sein Debüt Kosi Comes Around „nur“ ganz gut war, gab es einen großen Unterschied zum Vorgänger. Auf nahezu jeden Track gab es einen Gastbeitrag. Dadurch kam Koze seiner Paradedisziplin, nämlich dem Remixen, wesentlich näher als beim instrumentalen Debüt. Diese zunächst mal kühn wirkende Behauptung hat DJ Koze stets durch ausführliche Remix-Werkschauen bewahrheitet – Anfang des Jahrtausends auf dem teilweise noch recht HipHop lastigen Music is Okay mit Klassikern wie Kozes Remix von Blumfelds Tausend Tränen Tief oder der Is mir egal Remix von Tobi und das Bo. Erst 2009 und damit nach Kosi Comes Around folgt mit Reincarnations der nächste Querschnitt seiner Remixarbeiten. Auch dieses Mal ist ein Remix besser als der andere, auch wenn der technoidere Sound jetzt deutlich spürbar ist. Höhepunkte sind unter anderem seine Versionen von Matthew Dears Elementary Lover oder Matias Aguayos Minimal.

Nun, immerhin nur noch fünf Jahre, aber immer noch ein Album später, erscheint seine dritte Remix-Werkschau, Reincarnations, Pt. 2. Der Titel, das nur leicht gephotoshopte Cover – viel scheint gegenüber dem Vorgänger gleichgeblieben zu sein. Doch Stefan Kozalla hat sich in den fünf Jahren seit der Veröffentlichung des Vorgängers stark weiterentwickelt. Wie auf Amygdala zu bewundern war, scheint ihm nun mehr an treibenden, melancholischen und auch psychedelischen House Elementen zu liegen, die angenehm unaufdringlich bleiben und sowohl zum Tanzen, als auch zum Nichtstun taugen. Den Hauptfortschritt scheint Koze aber bezüglich der Struktur und der idealen Album-Dramaturgie gemacht zu haben. Man hat förmlich das Gefühl, dass durch Reincarnations, Pt. 2 eine zusammenhängende Geschichte erzählt wird. Etwas, von dem die meisten Alben schon weit entfernt sind, ganz zu schweigen von Compilations – doch DJ Koze gelingt dieser Coup.

Dabei sind es noch nicht einmal das zugegebenermaßen sehr unterhaltsame Intro sowie das kleine Interlude bei It’s Only. Es ist die Zusammenstellung; bestes Beispiel ist sein Remix von Caribous Found Out. Für Caribou remixte er in den letzten Jahren insgesamt drei Tracks. Found Out war vielleicht sogar der schlechteste der drei, vor allen Dingen im Vergleich zu dem grandiosen Remix zu Jamelia. Obwohl es natürlich schade ist, dass dieser Remix den Einzug auf Reincarnations, Pt. 2 nicht gehalten hat und somit nicht im geschlossenen Full-Length Kosmos des DJ Koze präsentiert werden konnte, ist diese Tatsache wiederum auch ein Glücksfall. Der Song hätte nämlich zu keinem Moment zu dem Albumvibe gepasst. Außerdem ist es gemessen daran, dass sonst fast alle Koze-Perlen der letzten Jahre wie beispielsweise der Remix zu Keep Me In My Plane dabei sind, die teilweise noch nicht als einzelne Songs veröffentlicht wurden, auch kein großer Verlust.

Im vorher erwähnten Interlude bei It’s Only wird DJ Koze nach dem besten Remixer gefragt. Er antwortet darauf nur platt mit feinstem Akzent: „I thought a long time about this and I think it’s me. Or Wait… Yes, it’s me“. Was entweder ein klarer Fall von Hybris oder wahrscheinlich nur ein typischer DJ Koze Witz zu sein scheint, entpuppt sich auf Reincarnations, Pt. 2 wieder einmal als die blanke Wahrheit. Auf die zweite Frage, ob er das Geheimnis eines guten Remixes kennt, gibt er auch nur zu Protokoll, dass er es gerne wissen würde, um die Poleposition zu halten. Die Antwort hat er sich mit Reincarnations, Pt. 2 wohl selbst gegeben: Es ist nicht unbedingt der Remix selbst, der den Remix gut macht, sondern dessen Kontext.

1. Intro – Dj Koze
2. Jo Gurt (Dj Koze Remix) – Super Flu
3. Bad Kingdom (Dj Koze Remix) – Moderat
4. It’s Only (Dj Koze Mix) – Herbert
5. You Saw It All (Dj Koze Remix) – Herbert
6. Made To Stray (Dj Koze Remix) – Mount Kimbie
7. Keep Me In My Plane (Dj Koze’s Hudson River Dub) – Who Made Who
8. Found Out (Dj Koze Remix) – Caribou
9. Golden Song (Dj Koze Remix) – Jonson, Zwanie
10. Knight Moves (Dj Koze Remix) – Gonzales
11. Distortion (Dj Koze Remix) – The Big Crunch Theory
12. Faith (Dj Koze’s Grungerwomen Remix) – Ada
13. Marche Funèbre (Dj Koze Remix) – Soap & Skin
14. Black Water (Dj Koze Remix) – Apparat

Zolin sagt: 9 von 10

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