Review: Mumdance & Pinch – Pinch B2B Mumdance

Mumdance & Pinch - Pinch B2B Mumdance

Im September 2013 sorgten Pinch & Mumdance vor allem im elektronischen Metier der britischen, dunkleren Tiefgewässer mit einem überraschend frischen B2B-Mix-Set für gehobene Augenbrauen. Mumdance trieb sich seit jeher in den Grime Gefilden der Extreme herum und wurde 2008 von Polarisierungstalent und Mad Decent-Kopf Diplo entdeckt und tatkräftig unterstützt. Pinch gehört seit Beginn der großen Dubstep-Wellen ab 2005 zu den kreativen Köpfen und galt als namhafter Produzent, bevor ihn die Langeweile ereilte und er sich nach dem für ihn zu monotonen Feld des Dubstep neuartigen Formen der UK Bass Music zuwandte. Zusammen schufen sie nun einen vorausschauenden, wenn nicht stellenweise sogar wegweisenden Mix. Nach eigener Aussage fühlt sich dieses mühselig zusammengestellte Release für die Beiden jedoch viel eher nach einem Mixtape als nach einem weiteren Set an. Tatsächlich klingt das Endprodukt durchkonzipierter und chronologisch feiner ausgearbeitet als bei einem Live-Set oder Podcast.

Den verträumten Anfang macht Kollege Logos mit dem Track Savanna Overlord, der mit allerlei Vogelgesängen, industriellen Paukenschlägen, sanftem Synth-Teppich und ruhiger Atmosphäre einen gradlinigen, gemächlich ruhigen Spaziergang durch die 19 Stücke suggeriert. Logos ist es auch, der nach einer knappen Stunde auf Pinchs und Mumdances Klangreportage das Schlusslicht No Skyline liefert. Mit Alex Coultons Sinners nimmt das Ganze bereits dunklere Züge an, die bisweilen an frühe Dubstep-Ästhetik von 2005/2006 erinnern. Dann der erste ureigene Track der einen Duohälfte Pinch: Obsession (The Posession), seinen nach eigener Aussage dunkelsten Track, den er je geschaffen hat, lassen die beiden gekonnt mit einfließen. Kratzig böse Synthesizer zehren zusammen mit verqueren Drum-Elementen an dem noch verbleibenden knappen Licht des Mixtapes. Zu allem Überfluss ist der darauffolgende Song quasi derselbe Titel. Nur eben von Techno-DJ / Produzentenlegende Shed neu aufgelegt und noch ein ganzes Maß schattiger geschraubt.

Immer wieder scheint der verwinkelte Weg der Beiden durch diesen Mix rhythmische als auch amotsphärische Querpassagen mit (Alb-)Traumcharakter aufzuzeigen. So bricht nach dem gradlinig hämmernden Shed-Mix abrupt Mumdances erste Perle das Schema. The Sprawl glitcht sich durch digitale Schreifetzen, Industrieklang und Computer-Bugs, nur um in Pinchs 4/4-Irrgarten Down zu münden. Dann wieder Schichtwechsel: der Ziro Remix von Grime-Rapper El-Bs Buck & Bury haut dem Hörer Jungle- und DnB-Einflüsse gepaart mit gesunden aktuellen UK-Bass Music-Verformungen à la Night Slugs entgegen. Auch interessant ist der bald darauf folgende Pinch Mix des Mumdance & Logos Tracks Legion, der einer der Eckpunkte in Bezug auf die Eigenbeschreibung des B2B-Mixtapes der Beiden darstellt: „Wir sehen diesen Mix als einen Szene-Report oder eine Art, den aktuellen Stand der Dinge in Sachen UK Bass Music zu erfassen“. Mumdance fügt im Resident Advisor-Interview noch hinzu: „Vor einem Jahr hab ich mit meiner Track-Auswahl noch effektiv Tanzflächen leergeräumt. Mittlerweile verstehen und genießen immer mehr Menschen die momentanen Veränderungen und Entwicklungen in der elektronischen Musik. Es ist ein bisschen wie in den frühen Tagen von Dubstep“.

Ob und wie sich ein Stück wie das oben beschriebene Legion auf größeren Tanzflächen etablieren kann, bleibt ob der zunächst extrem unkonventionellen Tempi und Struktur noch fraglich. Spannend wäre es jedoch allemal, würden auch hier zu findende Tracks wie Noctis oder Whiplash (beide ebenfalls von Pinch & Mumdance produziert) ihre Chance auf Dancefloor-Potenzial bekämen. Die ungewöhnliche Mischung aus dunklen, industriellen Techno-Elementen und noch düstereren UK Bass-Tendenzen könnte wie auch Dubstep vor einer Dekade eine unerwartete Steilkarriere hinlegen, wenn der Trend sich weiterhin auf so gesundem Wachstumszweig wiederfindet. Das einzig wirklich Hinderliche dabei könnten die noch oft etwas spärlich platziert oder eben einfach zu dürr an Schlagkraft gehaltenen Perkussiv-Elemente des Gemischs sein. Ansonsten lässt sich dieser „Szene-Report“ der beiden eingefleischten UK Bass Music-Veteranen auch auf dem heimischen Wohnzimmerfloor zu späten Stunden von Fans dunklerer Genres durchaus genießen.

1. Logos – Savanna Overlord
2. Alex Coulton – Sinners
3. Pinch – Obsession (The Possession)
4. Pinch – Obsession (The Possession) (Shed remix)
5. Mumdance – The Sprawl
6. Pinch – Down
7. El-B – Buck & Bury (Ziro remix)
8. Nurve – Wrong Number
9. Mumdance – Doom
10. Mumdance & Logos – Legion (VIPinch Mix)
11. Pinch & Mumdance – Noctis
12. Asusu – Velez (A Made Up Sound remix 2)
13. Pinch & Mumdance – Whiplash
14. Mumdance & Logos – Bagleys (Reese Tool)
15. Pinch & Mumdance – Double Barrelled Turbo Mitzi
16. Mumdance & Logos – Move Your Body
17. Ipman – Ghostrunner
18. Pinch & Mumdance – Lucid Dreaming
19. Logos – No Skyline

Zolin sagt: 6 von 10

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