Review: James Ferraro – Suki Girlz

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In der jüngeren Vergangenheit wurde die Musikszene um verschiedene neue Mitglieder der Genrefamilie, von denen manche nur kurz Wellen schlugen, bereichert. Das Hauptinteresse stieß auf den Chillwave mit seinen pop-affinen, fast schon gehauchten Beatstrukturen, währenddessen Komparsen a lá Witchhouse oder Vaporwave aufgrund ihrer liberalen bis dato irritierenden Sample-Politik, aber auch ihren unbeholfen klingenden Namen im Schatten seiner Vertreter wie Washed Out oder Toro y Moi blieben. Natürlich bewirbt ein Genre, in dessen Name „Chill“ eingebaut ist, in deutlich einladenderen Neonlettern den Soundtrack für das gehobene Nichtstun und seine Anhänger, doch das heißt nicht, dass man bei den anderen Genres und ihren Vorreitern nicht fündig werden könnte – so zum Beispiel bei User703918785 auf SoundCloud, der unter dem Namen James Ferraro wohl dem einen oder anderen Fan innovativer elektronischer Musik seit seiner LP Far Side Virtual ein Begriff sein dürfte. Mit SUKI GIRLZ legt einer der Pioniere des Vaporwaves nun ein Mixtape vor, das sich im Gegensatz zu seinen eher konzeptorientierten Vorgänger-LPs als eine lose, entspannte Sammlung diverser Ideen präsentiert.

Das besondere Spiel von SUKI GIRLZ liegt in seiner unkomplizierten, einfachen Art; denjenigen, die sich von diesem Werk musikalische Offenbarungsmomente der besonderen Art erhoffen, sei vom Durchhören abgeraten – James Ferraro wandelt hier auf Pfaden, die nicht wenige vor ihm eingeschlagen und einschlägig erforscht haben. Die Art und Weise jedoch, wie er diese Pfade miteinander verbindet und dadurch im Kopf des Zuhörers das Bild einer Stadt bei Nacht entstehen lässt, ist das Einzigartige an ihm. Das Klangbild lässt sich am besten als Feierabendmusik beschreiben: es fordert nicht viel vom Zuhörer, aber schafft es dennoch, dessen so oft bestrittenen Heimweg in einem anderen Licht als am Tag davor erstrahlen zu lassen. Irgendwo zwischen Trap-artigen Vocalsamples und epileptischen Hi-Hats, zwischen R’n’B-Grooves, kitschigen 90’s-Synthesizern und minimalistischen rhythmischen Elementen erschafft sich James Ferraro sein eigenes Reich über den Wolken, und mit SUKI GIRLZ liefert er die Fahrstuhlmusik für die Fahrt dorthin gleich mit.

SUKI GIRLZ 1 baut auf einem glitch-orientierten, stolpernden Beat, der von Synthesizer-Spuren wie aus Knight Rider weichgespült wird. SUKI GIRLZ 2 wird nun eine Spur schneller, fokussierter. Das leicht jazzig angehauchte Klavierspiel manövriert sich an einem aggressiveren Trap-Beat vorbei, das von verfremdeten Vocals zersetzt wird. SUKI GIRLZ 3 wird durch eine Mischung von typischen R’n’B-Gesängen, den weiterhin klischeehaft anmutenden Synth-Spuren und den Geräuschen von Wassertropfen zum Aushängeschild von innovativem Kitsch. SUKI GIRLZ 7 bringt dieses Prinzip an einen neuen Höhepunkt; ungefähr so würde es bestimmt klingen, wenn man die Komposition der Musik zu verpixelten Handy-Games von vor 5 bis 10 Jahren einem elektronischen Künstler wie Oneohtrix Point Never überlassen würde. SUKI GIRLZ 11 ist die sonare Versinnbildlichung eines nuklearen Windstoßes, der durch ein Windspiel fegt; distanzierte, klirrende Geräusche werden vom inzwischen typischen Synthesizer durchdrungen, der Beat bleibt dabei minimalistisch und streng.

Das Problem an SUKI GIRLZ ist, dass man keinen besonderen Höhepunkt daran ausfindig machen kann. Das Prinzip des Gesamtwerks hat man schon nach den ersten vier Tracks vollständig verstanden, und die restlichen 18 sind auch nur leicht abgewandelte Formen des Konzepts, von dem sich James Ferraro nie weit genug entfernt, um seinen 22 Tracks ein Eigenleben bzw. eine eigene Fußnote verleihen zu können – der Unterschied zwischen manchen Tracks ist, zumindest in ästhetischer Hinsicht, so minimal, dass man sie kaum voneinander zu unterscheiden vermag. Auch ist die Frage, ob dieses Werk nicht einen bedeutenden Teil seines positiven Charmes dem Überraschungseffekt verdankt, gerechtfertigt; die einzelnen, kitschigen Elemente, die hier gnadenlos miteinander vermengt werden, hätten das Potenzial dazu, jedes andere Hörerlebnis zu einer wahren Tortur zu machen, doch auf diesem Mixtape ist es nicht der Fall. Ist es also gut, weil es musikalisch wertvoll ist, oder gut, weil die Summe aus zweifelhaften Einzelteilen überraschenderweise nicht so schlecht klingt wie man es zunächst erwartet hätte? Alles in allem ist und bleibt SUKI GIRLZ aufregend unspektakulär, und zwar im besten Sinne wie nur irgendwie möglich.

1. SUKI GIRLZ 1
2. SUKI GIRLZ 2
3. SUKI GIRLZ 3
4. SUKI GIRLZ 4
5. SUKI GIRLZ 5
6. SUKI GIRLZ 6
7. SUKI GIRLZ 7
8. SUKI GIRLZ 8
9. SUKI GIRLZ 9
10. SUKI GIRLZ 10
11. SUKI GIRLZ 11
12. SUKI GIRLZ 12
13. SUKI GIRLZ 13
14. SUKI GIRLZ 14
15. SUKI GIRLZ 15
16. SUKI GIRLZ 16
17. SUKI GIRLZ 17
18. SUKI GIRLZ 18
19. SUKI GIRLZ 19
20. SUKI GIRLZ 20
21. SUKI GIRLZ 21
22. SUKI GIRLZ 22

Zolin sagt: 6 von 10

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