Review: Machinedrum – Fenris District EP

Nachdem Machinedrum Ende des Jahres 2013 mit dem Startschuss seines Mammutprojekts durch das gleichnamige Album Vapor City Redaktionen und Kritiker allerorts verzückte, folgt nun, seiner unermüdlichen Arbeitsethik entsprechend, das Ausleuchten des ersten Stadtviertels. Die Idee, eine digitale Stadt aus elektronischen Klängen mit diversen Stadtvierteln in Form von EPs zu schaffen, geht mit dem Jahr 2014 nun in die Vollen. Aus insgesamt zehn Teilbereichen setzt sich die klanglich pulsierende Online-Metropole Vapor City zusammen. Jeder Einzelnen will Stewart eine EP, Videos und andere kreative Zusätze widmen. Der südlichste Teil der Stadt genießt nun seit einigen Tagen die nähere Betrachtung. Zuvor unterlag der nordöstlich lokalisierte Vapor Park bereits intensiverer Aufmerksamkeit durch die gleichnamige EP. Medial hingegen bekam die erste Auskopplung des Projekts weit weniger Aufmerksamkeit, was angesichts des vorangegangenen großen Interesses diverser Portale durchaus schade ist. Bereits zu Beginn der nun vorliegenden Fenris District EP überrascht und überzeugt Machinedrum jedoch nun abermals durch Detailverliebtheit und Sorgfalt, wenn auch auf deutlich kleinerer Laufzeit.

Der Ping-Pong-Dialog des zweizeiligen Vocal-Samples zieht sich durch die gesamten fünf Minuten des Openers Back Seat Ho: „I’m a back seat ho! She’s a back seat ho„. Neben roh belassenen Trap-Drums und diversen Claps reihen sich gegenläufige, hallende Synthesizer und aufquillende, bassige Fläche stimmungsvoll ein. Mit den Minuten löst sich der Track von minimalistischer Trap-Bolzerei los und entschwebt in deutlich hypnotischere, umarmende Sphären, die ihm fantastisch zu Gesicht stehen. Der wesentlich aggressivere Remix des Kollegen Rustie folgt auf dem Fuße. Mit scheppernder, verzerrter Bassbombe schlägt Rustie den gewöhnungsbedürftigen Rhythmus gegen Trommelfelle. Im Hintergrund dürfen selbstverständlich auch tropische Vogelrufe und andere Sample-Spielereien nicht fehlen. Wenn dann die drei gigantischen Drop-Momente ihre extremst zerfilterte Premiere feiern, bleibt unter den Kopfhörern wie auf Stereo-Anlage kein Auge trocken. Nach größeren Releases des schottischen Vorzeigetalents Rustie wie zuletzt das Album Glass Swords und die Triadzz / Slasherr EP beweist er mit diesem wertvollen Mix-Beitrag weiterhin beeindruckende Eigenständigkeit und fortwährende Innovation seiner Handschrift.

On My Mind bildet im Folgenden den verhältnismäßig sanftesten Ruhepol der gerade einmal fünf Tracks. Riesig angeschwollene Kick-Drums setzen mit Dub-Elementen und einem kleingeschnittenen Vocal-Sample nach Machinedrums Vapor City-Manier die wichtigen Akzente. Auf den Spitzen der Klimax bäumen sich die digitalisierten Fluten überaus gelungen zum letzten Niedersturz auf, nur um abrupt wieder in gemäßigteren Gewässern zu landen. Neujack dagegen zeigt Stewart in seiner immerwährenden, vorausschauenden Perspektive auf die eigene Produktionsentwicklung auf minimalistischeren Pfaden wandelnd. Die Drums sind noch synthetischer belassen, die Song-Struktur noch viel eher auf Gästeliste einer lauten Club-Ästhetik statt auf Einladung zum Kopfhörer-Eintauchen angelegt. Obwohl Stewart es auch hier schafft, seine Signatur zu wahren, mag manch einer schnell die tiefer gehenden und trotzdem nicht weniger basslastigen Anthems eines Vapor City-Albums vermissen. So verhält es sich auch mit den übrigen Tracks des Fenris Districts: Penetrant umgarnende Synthesizer und nach wie vor detaillierte Drum-Pattern verhelfen ihnen zu Standhaftigkeit. Darüber hinaus springt die Ambition des ersten näher beleuchteten Stadtviertels der Vapor City jedoch weit unter die hoch gesetzte Messlatte. Diese war mit der Veröffentlichung des Auftaktalbums eben auch denkbar hoch, wodurch das erste zwischenzeitliche Nachlassen in Form einer EP mit gerade einmal fünf Tracks auch kaum ins Gewicht fallen sollte. Dennoch kommt erstes schweres Schlucken und Bangen ob der diesjährig folgenden Ausarbeitungen des Mammut-Projekts Vapor City auf.

1. Back Seat Ho
2. Back Seat Ho (Rustie)
3. On My Mind
4. Neujack
5. Eyesdontlie (Sherwood & Pinch Clash Machinedrum Dub Fi Dub, Downtown, Uptown)

Zolin sagt: 6 von 10

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