Review: Daughn Gibson – Me Moan

Daughn Gibson, zumindest sein Vorname, ist für deutsche Zungen ein fast unaussprechlicher Name. Dies könnte auch der Grund sein, weswegen sein Debüt All Hell, das sowieso nur als Import bei uns erhältlich war, auch unter dem Radar von vielen potentiellen Konsumenten erschien. Nicht jedoch in den USA, wo Daughn Gibson mit seiner eigenen Interpretation von Country einige Wellen schlug und von Sub Pop gesignt wurde. Moment mal, Country? Tatsächlich liegt das an Daughn Gibsons sehr markanten Stimmfarbe. Doch Country alleine lockt ein Qualitätslabel wie Sub Pop nicht hinter dem Ofen hervor, es laufen schließlich sowieso zu viele Hank Williams-Cover-Cowboys durch die Vereinigten Staaten. Nein, es war Gibsons Interpretation dieses Genres auf seinem Debüt All Hell. Er vermischt einfach so den bereits erwähnten Country mit Elementen aus R&B und Indie, würzt sie mit knackigen Samples und gibt dem ganzen eine – no Homo – traurige Note. Das kann man sich ein bisschen so wie Beck zu seiner Odelay Zeit vorstellen, nur eben mit weniger Sprechgesang und mehr Emotion.

Fast genau ein Jahr später steht auch schon Daughn Gibsons erstes Album bei Sub Pop names Me Moan in den Startlöchern. Was beim ersten Hören sofort auffällt. ist, dass das Album wesentlich maximaler, man könnte sagen poppiger ist und die traurige Seite – zumindest oberflächlich – nahezu komplett aus dem Programm gestrichen wurde, während der Anteil an elektronischen Spielereien und eingängigen Refrains rasend gestiegen ist. Doch so erschafft er Hymnen wie den Opener The Sound Of Law oder Mad Ocean, die der Vorgänger nicht bieten konnte. Doch nur auf der Oberfläche ist Me Moan optimistisch, der Kern der Songs ist noch immer tieftraurig, wirkt durch die zuweilen imposante Inszenierung der Musik nahezu zynisch. Durch diese Dualität gelingt Daughn Gibson für den Partizipanten ein großartiger Spagat: So eingängig um das Album nebenbei laufen zu lassen, dennoch so tiefgehend, dass es bei genauer Betrachtung sehr ergiebig ist. Das soll ihm erst einmal ein anderer Country-Cowboy nachmachen.

Sonst wird viel von dem geboten, was Daughn Gibson schon auf seinem Debüt ausmachte: Seine wunderbare, manchmal sogar ein bisschen an Peter Steele erinnernde, Bariton Stimme, die gerade nur so vor Maskulinität strotzt und sein einzigartiger Country Entwurf. Spätestens nach dem Lesen dieses Artikels sollte man angefangen haben, den Namen aussprechen zu lernen, um dann beim nächsten Plattendealer Me Moan mit perfekter Cowboy-Attitüde zu erwerben. Durch Sub Pop ja glücklicherweise ohne zu importieren.

1. The Sound of Law
2. Phantom Rider
3. Mad Ocean
4. The Pisgee Nest
5. You Don’t Fade
6. Franco
7. Won’t You Climb
8. The Right Signs
9. Kissin‘ on the Blacktop
10. All My Days Off
11. Into the Sea

Zolin sagt: 8 von 10

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