Review: Deafheaven – Sunbather

Man stelle sich vor, ein langjähriger Metal-Veteran blätterte nichts Böses erwartend in den virtuellen Metal Archiven herum und erblickte plötzlich dieses grässliche Photo auf Deafheavens Profilseite; er würde annehmen, es handle sich hier um eine Art bizarre Fusion von Neofolk oder gar Martial Industrial und Hipster. Unser armer Veteran irrte sich glücklicherweise, denn ein kurzer Blick auf den Genre Tag klärt über Deafheavens wahre Identität auf. Von „Post-Black Metal“ ist da nämlich die Rede. Manch einer greift bei der Band aus Kalifornien auch gerne zum „Blackgaze“ Label. Ihr fragt, wen das interessiert? Nun ja, im weiteren Verlauf des Reviews wird Zolin noch untersuchen und klarstellen, was dieser subtile Unterschied tatsächlich bedeutet. Seid Gespannt, seid seid gespannt!

Zunächst einmal sei betont, dass Deafheaven vergleichsweise nicht gerade lange auf der postmodernen Metal Schiene fahren. Alcest, Lantlos, Heretoir und bekanntlich Wolves in the Throne Room haben uns die letzten Jahre über bombardiert mit mehr oder weniger originellen, meist atmosphärisch-düsteren Metal Trips. Deafheaven hat sich zugegebenermaßen eine recht eigene, experimentelle Nische geschaffen, gespickt mit Einflüssen aus allen möglichen Genres. Letztere fallen auch auf Sunbather so zahlreich aus, dass das ganze mit herkömmlichem Metal nicht mehr allzu viel zu tun hat. Da wird geshoegazed, da erklingen mal ruhige Gitarren und Klaviertöne, da rastet auch mal ein Blastbeat aus, mal fühlt man sich auch an Hardcore erinnert und schnell gespielte, packende Post-Metal Riffs kommen auch nicht zu kurz.

Insgesamt wird man von der Soundwand sowie den gesammelten Emotionen, die dahinter stecken, regelrecht überrollt; die Songs prägen sich außerdem wesentlich besser ein, als es bei früherem, weniger ausgereiftem Material der Band der Fall war. So mitreißend Sunbather jedoch sein mag, es kann nicht über den faden Nachgeschmack hinwegtäuschen, das irgendwie alles schon einmal gehört zu haben. Z.B. bei Woods of Desolations genialem Wechselbad der Gefühle Torn Beyond Reason.; dort schlichen sich etwa ebenfalls Elemente der Hoffnung ein, die die vorherrschend deprimierende Stimmung eindrucksvoll unterbrachen. Warum sollte Deafheaven dann die ganzen Lorbeeren für solche vermeintlichen Innovation einheimsen?

Es sind einfach schon zu viele anspruchsvolle Kinder aus der Ehe zwischen Black Metal und Shoegaze hervorgegangen, denen hohe achter-Wertungen seitens der alten Mistgabel verwehrt blieben, um für Sunbather ein höheres Qualitätssiegel übrig zu haben als „solide„. Mittlerweile ist es absehbar, dass „Blackgaze“ im Allgemeinen die Metal Komponente früher oder später so sehr auffressen wird, dass am Ende gar nichts von diesen übrig bleibt. Das wird der Moment sein, wo die Postmoderne das Kunststück vollbringt, die Verbrauchtheit des ursprünglichen Black Metal noch zu übertreffen. Deafheaven kommen dafür nicht in Frage, schließlich ist Sunbather doch zu gut dafür, aber ein sicheres Plätzchen als Vorbote der „Blackgaze“ und „Post-Black Metal“ Apokalypse ist der Band nicht zu nehmen.

1. Dream House
2. Irresistible
3. Sunbather
4. Please Remember
5. Vertigo
6. Windows
7. The Pecan Tree

Zolin sagt: 7 von 10

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