Augestoßen 2012

Auch in diesem Jahr gab’s wieder Alben, die mehr oder weniger knapp an dem Ranking der 30 besten Alben des Jahres gescheitert sind. Unter diesen Alben sind aber nicht nur wirklich gute dabei, sondern auch Alben, die besonders durch ihren Kontext sehr interessant sind und deswegen keinesfalls unerwähnt bleiben dürfen. Bühne frei für die Ausgestoßenen!

The Alchemist – Russian Roulette

Wahrscheinlich ist Russian Roulette das Album mit der interessantesten Geschichte des Jahres. Eminem-Live DJ The Alchemist ist der ganzen, immer gleichen Soul-Samples überdrüssig und entschließt sich, für ein gesamtes Album nur Russische Lieder von den 60ern bis zu den 90ern zu sampeln. Das Ergebnis ist eine wahnwitzige Mischung aus dem Wu-Tang Clan und Pink Floyd. Die Raps steuern unter anderem Action Bronson, Danny Brown, Schoolboy Q und Roc Marciano bei.

Zoe.Leela – Digital Guilt

Lange Zeit hat es so ausgesehen, als käme die Berlinerin Zoe.Leela in die Top 30. Ihr Debut Digital Guilt ist nämlich ein ganz ausgezeichnetes Pop-Album, sogar noch in höherem Maße, als das beim letzten Santigold Album der Fall war. Denn genauso wie Santigold, kann Zoe.Leela alles: Martina Topley-Bird, Peaches und Katy B. Glaubst du nicht? Hör’s nach, du wirst überrascht sein!

John Talabot – ƒin

John Talabots Debut ƒin ist sicherlich eines der vielen Kritiker Alben des Jahres und das kommt nicht von ungefähr. Schließlich ist ƒin eine wirklich ausgesprochen gute Mischung aus treibenden Deep House Beats, sorgfältig ausgewählten Samples und „Weirdo-Indie“ à la Yeasayer. Doch damit nicht genug, denn mit Destiny ist für viele sicherlich auch noch eine der Festivalhymnen des Jahres dabei. Kann man also ruhigen Gewissens feiern.

Fiona Apple – The Idler Wheel Is…

The Idler Wheel Is Wiser Than the Driver of the Screw and Whipping Cords Will Serve You More Than Ropes Will Ever Do. Puh, so einen langen Albumtitel für ein so gutes Album gab’s aber schon sehr lange nicht mehr. Genau so, wie überhaupt ein neues Fiona Apple Album. Sieben Jahre hat sie sich Zeit genommen und das war auch gut so, wie sie auf dem Album eindrucksvoll bewiesen hat.

Nina Kraviz – Nina Kraviz

Ghetto, Ghetto, Ghetto…“ Argh, schon wieder ein Ohrwurm! Aber Ghetto Kraviz von Nina Kraviz‚ selbstbetiteltem Debut ist dafür einfach prädestiniert. Das ist natürlich nicht alles, denn auch das restliche Album überzeugt auf voller Linie. Feinster Deep House mit einer kleinen Prise DJ Koze und fertig ist das Debut, was uns Maya Jane Coles bisher immer noch schuldig geblieben ist.

Chairlift – Something

Chairlift sind eine dieser Bands, die ihre Prominenz besonders durch den Soundtrack einer iPod Werbung generiert haben. Macht aber nichts. Ihr zweites Album Something ist sogar noch um einiges besser, als ihr Debut und klingt teilweise sogar ein wenig wie eine weibliche Version von Caribou. Ist nicht halb so seltsam, wie es sich vielleicht lesen mag.

Para One – Passion

Bisher war Para One nur für den nervigsten French-House Track aller Zeiten bekannt. Mit Passion hat Para One bewiesen, dass nicht nur er anders kann, sondern auch French House. Er bastelt hier eher untypisch sehr viel und sehr hörbar mit Samples herum, die es ihm erlauben, sich auch einmal in andere Richtungen zu bewegen. So befinden sich auf Passion sogar HipHop-artige Tracks. Crazy!

Scuba – Personality

Der 2011 veröffentlichte Beitrag von Scuba zur DJ-Kicks Reihe hat schon reichlich Aufschluss über das gegeben, was dann in Form von Personality folgte. Scuba hat seinen gesamten Post-Dubstep Ansatz in die Tonne geschmissen und durch trashige 80er Synthesizer ersetzt. Das Ergebnis ist zwar recht gewöhnungsbedürftig, aber wenn man sich dann an den neuen Scuba gewöhnt hat, möchte man am liebsten nur noch Personality hören.

Die Heiterkeit – Herz Aus Gold

Mit der Veröffentlichung des Debuts der Hamburger Band Die Heiterkeit, bewegt sich Staatsakt wieder einmal gefährlich nah an der Grenze zum Schlager. Und das ist auch gut so! Wobei man das ganze dann doch lieber als Persiflage sehen sollte, als einen ernsthaften Versuch, Schlager zu machen. Die Band heißt ja auch nicht umsonst Die Heiterkeit.

Hot Chip – In Our Heads

Wer hätte schon gedacht, dass Hot Chip nochmal so ein durch und durch tolles Album raushauen. Doch nicht nur das, In Our Heads ist höchstwahrscheinlich sogar überhaupt ihr bisher bestes Album! Da können sich die Jungs um Alexis Taylor einfach mal selber auf die Schulter schlagen. Auch die Videoauskopplungen von In Our Heads können auf ganzer Linie überzeugen und gehören mit zu dem Besten, was dieses Jahr so an Videos veröffentlicht wurde.

The Rumour Said Fire – Dead Ends

Diese Dänische Perle wurde leider viel zu kurz vor dem Erscheinen dieser Auswahl entdeckt. Denn, wenn sie schon früher auf dem Schirm von Zolin erschienen wäre, hätte Dead Ends auf jeden Fall einen Platz in den Top 30 sicher gehabt. Zu gut ist die Mischung aus Grizzly Bear, Animal Collective und Destroyer. 2013 werden The Rumour Said Fire Dead Ends bestimmt auch in Deutschland auf den Markt bringen. Dann folgt auch endlich ein ausführlicheres Review.

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