Heißer Scheiß: Billion One

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„SamplEmotionalStep“ nennt sich das Wortamalgam, das einem der Pressetext hinwirft, um für den Sound von Billion One eine Schublade zu erschaffen. Dabei hat er eine solche gar nicht nötig, und wollte man unbedingt eine finden, so müsste man sie, um bei Kraftwerk zu bleiben, „Morgenspaziergangsmusik“ nennen. Das Szenario ist bekannt: Der von der Nacht und ihrem Trubel gezeichnete Heimkehrer ist erschöpft, fußmüde und noch ziemlich zugedröhnt, aber auch ziemlich glücklich und gibt sich ganz dem sanften Gewaber im Innern seines strapazierten Gehirns hin. Der Elektroniker und Beatbastler aus Oldenburg fängt mit seinen Klängen jenes spezifische introspektive Gefühl, das sich am ehesten während eines Sonnenaufgangs um halb 6 Uhr Sonntagmorgens einstellt, gekonnt ein. Die anfangs erwähnten Emotionen schlagen sich in den Tracks von Sven Strohschnieder, so der bürgerliche Name des Produzenten aus Oldenburg, in einer Weise nieder, die sich der Melancholie annähert, ohne jedoch in die latent drohende Wehleidigkeit etwa eines James Blake abzudriften. Anstatt dass der Nachtschwärmer darüber grübelt, wie er das Mädchen schon wieder nicht geküsst hat, genießt er den Sonnenaufgang an sich und die Wärme, die er bringt. Eine Wärme, die auch Billion Ones Produktionen jederzeit umgibt.

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Video der Woche: Pissed Jeans – Boring Girls

Wo steht eigentlich geschrieben, dass der zu einem Video passende Song unbedingt neu oder zumindest halbwegs aktuell sein muss? Das werden sich bestimmt auch Pissed Jeans gefragt haben, die mit Boring Girls einen bereits neun Jahre alten Song aus ihrem 2005 erschienenen Debüt Shallow auskoppeln. Ok, zugegebenermaßen ist das Erscheinen des Videos angesichts der kürzlich geschehenen Neuveröffentlichung des Debüts nicht so mysteriös, wie es zunächst scheinen mag, dennoch ist es wahrlich kein typischer Vorgang.

Aber auch das Video ist – zumindest das ist für Pissed Jeans typisch – natürlich sehr verschroben. Wie auch schon beim Video-Vorgänger Bathroom Laughter werden TV-Stereotypen persifliert. Nach den Teleshopping Sendungen sind dieses Mal die Sitcoms an der Reihe und wir sehen einen Otto Normal, gespielt von Clay Tatum, wie er von seiner Traumfrau, nun ja, träumt und sie datet. Das ganze läuft natürlich schief. Und woran liegt’s? Selbstverständlich am Gebissschutz! Versteht sich ja von selbst.

Review: Mr Twin Sister – Mr Twin Sister

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Bereits Kanye West ließ uns die inneren Werte lieben lernen, wo doch sein jüngstes Erzeugnis Yeezus optisch alles andere als das Meisterwerk signalisierte, als welches es sich letztlich entpuppte. Stattdessen verkaufte er bloß eine eher unbeeindruckende, obendrein auch noch gänzlich unbeschriftete „Demo“, die im CD-Regal alles, nur nicht auf sich aufmerksam machen, tendenziell sogar verschusselt werden wollte. Mit einer annähernd unspektakulär inszenierten LP bedient nun auch die amerikanische Elektropop-Band Mr Twin Sister, die ihr Album immerhin noch halbherzig mit schludriger Handschrift kennzeichnen ließ – wesentlich an- oder vielsprechender ist es dadurch kaum. Es stellt sich also die Frage, ob wir es hier wohl auch mit einem trojanischen Pferd dergleichen zu tun haben, das, harmlos getarnt, genau dann zusticht, wenn wir es am wenigsten erwarten? Man sollte sich wappnen.

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Zolin Sagt 021: Roberto Echo – 15.10.2014

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Wie man ins Bad reinruft, so echot es zurück. Roberto Echo ist zwar noch einer der unbekannteren Namen der Kölner Beat-Szene, das ändert aber nichts daran, dass er schon jetzt zu den Besten seiner Zunft gehört. Einige Duftmarken hat er bereits auf seinem Soundcloud-Account veröffentlicht, nun folgt ein exklusiver Mix für Zolin sagt, der neben einigen unveröffentlichten Eigenkreationen auch Kaytranada und Flying Lotus featured. Ein paar Fragen beantwortet er außerdem, unter anderem zur Zukunft der hiesigen Hip Hop Szene. Der Auftrag ist also wie immer der selbe: Mix kostenlos downloaden, Interview lesen und den Namen Roberto Echo lieber gut im Hinterkopf behalten.

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Review: Thom Yorke – Tomorrow’s Modern Boxes

Thom Yorke - Tomorrow's Modern Boxes

„Oh why hast thou forsaken us?“, fragt die fragile Falsetto-Stimme Thom Yorks in den ersten Sequenzen seines neuen Albums, und passender könnte die Frage nicht lauten. Seines Zeichens Mitglied in der experimentellen Kult-Rockband Radiohead, scheint sich der Sänger und Songwriter von seiner Vergangenheit als blondierter Frontmann mit Gitarre vor der Brust verabschiedet zu haben. Während er in diversen Interviews sowohl sein wachsendes Desinteresse am Saiteninstrument als auch seine Faszination gegenüber elektronischer Musik bekundet hat, war der Einfluss dieses Wandels vor allem in seinen letzten Veröffentlichungen stets spürbar; während Radiohead im Jahre 2011 mit The King of Limbs ihr statischstes und synthetischstes Album seit ihrem modernen Klassiker Kid A vorlegten, klang vor allem Atoms for Peaces AMOK nicht mehr nach einer Liveband mit Computern, sondern einer Band aus Computern. Gerade der Sound auf diesem Album, der durch seine robotisch minuziösen Klangbilder mit dunkler Atmosphäre bestach, ist im Nachhinein ein mehr als deutlicher Fingerzeig auf den Weg gewesen, den Thom Yorke nun mit Tomorrow’s Modern Boxes bestreiten will.

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Blog für Musik & Senf