Review: Villagers – Darling Arithmetic

Villagers – Darling Arithmetic

Wenn die Aussage, dass Haare in etwa einen Millimeter pro Tag wachsen, wahr sein sollte, so muss man sich bei Villagers fragen, ob es nicht vor allem die Gesichtsbehaarung Conor O’Briens ist, die während der Wartezeit nach {Awayland} über sich hinausgewachsen ist. Jegliche nicht ausformulierten Andeutungen, die der junge Ire auf seinem Debüt-Album Becoming A Jackal oder dem eben genannten {Awayland} versteckt hatte, wirft er mit Darling Arithmetic, seinem dritten Werk, über Bord. Statt der fast schon orchestralen Kompositionsmanier, die den zweifellos liebevoll gehaltenen Songs der letzten Alben diesen letzten Rest an cineastischer Wucht verpassten, die man vielleicht nur einem Ennio Morricone zugetraut hätte, ist es die „Reduced to the Max“-Attitüde, die auf Darling Arithmetic überwiegt. Kein Wunder; das demokratische Komponieren, von dem er im Bezug auf den Input seiner Live-Band-Mitglieder auf {Awayland} geschwärmt hatte, scheint nun ausgedient zu haben- alle Instrumente auf diesem neun Songs umfassenden Album wurden von O’Brien allein eingespielt und aufgenommen in seinem Landhaus in Dublin. Vielleicht ist diese Tatsache auch nur ein Vorbote dafür, welch eine persönliche Angelegenheit dieses Album gewesen sein muss, das sich mit den amourösen Irrungen und Wirrungen des kürzlich geouteten Songwriters auseinandersetzt.

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Video der Woche: Snoop Dogg – So Many Pros

Seien wir mal ehrlich: Schon seit Jahren bewegt sich Snoop Dogg auf seinen eigenen Alben stets unter dem, was er eigentlich leisten könnte und vereinzelt ja auch tat. Man denke nur einmal an den großen Klassiker Doggystyle oder vereinzelte Songs von R&G (Rhythm & Gangsta): The Masterpiece. Letzteres entstand unter der Regie eines gewissen Pharrell Williams, dementsprechend kann man es durchaus als positives Zeichen sehen, dass beide endlich wieder an einem gemeinsamen Album schrauben, zumal Pharrell kürzlich ja auch schon bei T.I., einem weiteren hinter seienen Ansprüchen hängender Rapper, gute Arbeit geleistet hat.

Im Video zur Single-Auskopplung So Many Pros wird mal wieder das Konzept des ach so beliebten Lyric-Videos neudefiniert. Die größtenteils von Snoop gesungenen Parts flimmern als Titel von Blaxploitation und Grindhouse-Film Plakaten über den Bildschirm. Selbstverständlich mit dem Rapper aus Compton als Hauptrolle, man muss sich ja schließlich auch mal blicken lassen. Der Track ist zwar kein Meisterwerk, aber mehr als Durchschnittskost ist man ja sowieso von Snoop nicht mehr gewöhnt. Bleibt zu hoffen, dass das Album BUSH noch einiges an Highlights zu bieten hat, denn die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Review: Squarepusher – Damogen Furies

Squarepusher - Damogen Furies

Was hat der stets nach Innovation strebende IDMler Squarepusher wohl in den Jahren zwischen dem nicht unkontroversen Ufabulum 2012 und dem jetzt erscheinenden Album Damogen Furies so getrieben? Nichts geringeres, als die Erschaffung und Vollendung seines eigenen Software Systems für elektronische Musik! Gut, genau genommen arbeitete er da schon die letzte Dekade über dran, doch Damogen Furies ist das erste Album, das komplett aus der eigenen Software Kreation samt eigenen digitalen Instrumenten heraus geboren ist. Dem freien, rebellischen Geist, aber vor allem auch begnadeten Musiker Squarepusher – seines Zeichens begnadeter Bassist sowie DJ zugleich – ist so ein Projekt definitiv zuzutrauen.

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Review: Sufjan Stevens – Carrie & Lowell

Sufjan Stevens - Carrie & Lowell

Vor fünf Jahren schien der Pop-Individualist Sufjan Stevens endlich auf den Zielgeraden zu sprinten – wir schrieben das Age Of Adz. Nachdem er sich mit den Alben Michigan und Illionois zur Aufgabe machte, die zwei US-Bundesstaaten zu besingen, zwei kuschelige Weihnachtscompilations (Songs for Christmas, vol. 1-5 and Silver & Gold, vol. 6-10) veröffentlichte und dem Express Way in Brooklyn das Instrumental-Album The BQE widmete, entschloss sich Stevens in die Vollen zu gehen. Er entwarf eine pompöse Retrospektive, welche letztlich alles irgendwie miteinander versöhnte. Während er als Künstler endlich seinen Platz zwischen den Stühlen gefunden zu haben schien, konfrontierte Stevens das allgemein gültige Pop-Verständnis mit seiner hochgradig experimentellen, ungewohnt elektronisch überladenen Auffassung, die ihrerzeit wenig Vergleiche hergab.

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Review: Death Grips – Jenny Death

Death Grips - Jenny Death

Ein bestimmtes Wort liegt einem seit dem Erscheinen des lange angekündigten und erwarteten Jenny Death auf den Lippen, immer wenn dieses Album zur Sprache kommt. Jenes Album, das als Schlussstrich unter eine Diskographie, man muss es so sagen, beworben wurde, welche sich Schritt für Schritt weiter ins Extrem steigerte. Auf jedem Release noch mehr Gewalt, noch mehr Paranoia, noch mehr totale Verweigerung von all dem, was gut und schön und richtig ist auf dieser Welt. Mit The Money Store wurden sie zum wuchtigsten, radikalsten, innovativsten Wutausbruch auf einem Majorlabel seit Rage Against The Machine. Dass Death Grips diesen nicht eben feinfühlig auflösen (unabgesprochenes Leaken des Albums, Veröffentlichung von Geschäftsinterna unter der Überschrift HAHA FUCK YOU auf Facebook, Zach Hills Schwanz): Geschenkt. Dass sie sich bei Auftritten gelegentlich spontan von einem iPod vertreten lassen: Lässt man durchgehen. Weil die Band einem stets das Gefühl gab, mehr zu sein als nur das. Death Grips verkörperten eine Form von Aggression, die wie die Faust in die Fresse in diese mit reichlich Irrsinn ausgestattete Zeit passte. Passte? Passt muss es jetzt wieder wohl heißen. Man löst sich auf, sagt spontan die halbe Tour ab, kündigt aber noch ein letztes abschließendes Werk an. Der Hype köchelt eine Weile vor sich hin, man wirft zwischendurch ein paar halbgare Instrumentals in die Menge, um den Pöbel bei Laune zu halten, lässt die Fans noch eine Weile in der Luft hängen, ob es denn überhaupt kommt und kündigt dann schließlich zum Release eine neue Tour an. Offenbar hört man doch nicht auf, trotz der die Auflösung begleitenden Worte „We are yet at our best“.

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Blog für Musik & Senf