Heißer Scheiß: Hail The Sun

hail the sun

Neben der musikalischen Selbstrepräsentation dessen ist es vor allem sein Inhalt, der auch den weltoffensten Zuhörern das Interesse am gegenwärtigen Gefilde des Emo/Post-Hardcores dämpfen kann. Konträr zur sicherlich vorhandenen, technischen Raffinesse tendieren viele Bands dieser Sparte nach einer gewissen Zeit inhaltlich dazu, die gleichermaßen verständlichsten und doch auch subjektivsten Anliegen wie Beziehungsprobleme und -ängste mit einem zum Teil unangebrachten Weltschmerz non plus ultra zu besingen. Natürlich ist es schwer und ethisch nicht angebracht, den Schmerz einer Person mit dem einer anderen zu vergleichen. Doch gerade durch die immer wiederkehrende Betonung auf atmosphärische Dichte und solche „Epic!“-Momente, die sich wie ein Ouroborus selbst in den Schwanz zu beißen scheinen, wirken selbst manche führenden Stellvertreter dieses Genres wie zum Beispiel Circa Survive inzwischen äußerst abgekühlt und fad. Zeit also, dass in die abgedunkelten Kammern frische Luft und helles Licht gelassen werden – und da kommen Hail the Sun ins Spiel.

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Review: DJ Koze – Reincarnations, Pt. 2

DJ Koze - Reincarnations, Pt. 2

Dass DJ Koze letztes Jahr mit seinem zweiten Album Amygdala das beste Album des Jahres ablieferte, war nicht unbedingt eine Überraschung. Denn obwohl sein Debüt Kosi Comes Around “nur” ganz gut war, gab es einen großen Unterschied zum Vorgänger. Auf nahezu jeden Track gab es einen Gastbeitrag. Dadurch kam Koze seiner Paradedisziplin, nämlich dem Remixen, wesentlich näher als beim instrumentalen Debüt. Diese zunächst mal kühn wirkende Behauptung hat DJ Koze stets durch ausführliche Remix-Werkschauen bewahrheitet – Anfang des Jahrtausends auf dem teilweise noch recht HipHop lastigen Music is Okay mit Klassikern wie Kozes Remix von Blumfelds Tausend Tränen Tief oder der Is mir egal Remix von Tobi und das Bo. Erst 2009 und damit nach Kosi Comes Around folgt mit Reincarnations der nächste Querschnitt seiner Remixarbeiten. Auch dieses Mal ist ein Remix besser als der andere, auch wenn der technoidere Sound jetzt deutlich spürbar ist. Höhepunkte sind unter anderem seine Versionen von Matthew Dears Elementary Lover oder Matias Aguayos Minimal.

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Video der Woche: Der Mann (Die Türen) – Menschen machen Fehler

Wenn Der Mann wohl mit etwas Recht hat, dann ist es mit seiner Hook: “Menschen machen Fehler und das ist immer ein guter Grund, schlecht drauf zu sein”. Keinen Grund schlecht drauf zu sein hat man, wenn eine der wohl besten Bands Deutschlands, Die Türen, ein neues Album ankündigt. Obwohl, genauer gesagt handelt es sich gar nicht um ein neues Die Türen-Album. Laut eigener Aussage wurden die Songs lediglich von den Türen komponiert und  geschrieben, werden aber von einer anderen Gruppe mit einem Substantiv-Namen performt: Der Mann. Hinter dem Projekt stehen aber nicht nur Die Türen, sondern ebenfalls die 3D-Filmanimationsfirma Industriesauger-TV aus Köln und der Berliner Maler Helmut Kraus.

Menschen machen Fehler ist das erste Ergebnis dieser Zusammenarbeit. Es sprüht nahezu vor Zynismus und persifliert den Mann des gehobenen Mittelstandes. Eingebettet wird dieser bissige Text in ein nahezu zahmes Indie Pop Konstrukt. Das Video hierzu tut sein Übriges. Wir sehen Maurice Summen als Der Mann, wie er ohne Rücksicht auf Verluste zunächst ein Auto und danach ein Flugzeug zerstört. Später fliegt er noch im Kosmos. Ja, das passiert wohl oder übel später mal mit jedem Mann.

Review: Scott Walker & Sunn O))) – Soused

Scott Walker & Sunn O))) - Soused

Wenn zwei exzentrische Künstler aus unterschiedlichen musikalischen Richtungen gemeinsam ein Album herausbringen, erwartet man etwas in positivem Sinne bizarres. Im Falle von Soused, der Erfüllung von Scott Walkers Verlangen, mit den kultigen Drone Meistern Sunn O))) zu kollaborieren, liegt diese Erwartungshaltung zweifellos hoch, insbesondere wenn man an Sunns nicht lange zurückliegenden Kollabo-Geniestreich mit Ulver, Terrestrials, denkt. Wozu die Kuttenträger unter der artistischen Direktion des Scott Walker wohl fähig sind?

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Review-Runde: Tinashe, Tosca, Jessie Ware, T.I.

20

Siehe mal da, die Review-Runde wird langsam alt und ist schon längst kein kleines Ründchen mehr. Die diesmalige Ausgabe ist mittlerweile schon die 20ste. Ob die Themen dadurch reifer werden, ist zwar sicherlich Ansichtssache, aber auf dem Papier sieht es schon mal ganz danach aus: So wären da beispielsweise die neuen Alben der beiden Soul-Damen Tinashe und Jessie Ware, die besonders Connaisseuren des Genres zu empfehlen sind. Weiterhin veröffentlichen Tosca nach dem recht dunklen Odeon aus dem letzten Jahr ein reines Pop-Album. T.I. dagegen versucht einmal mehr der Rolle als King des Dirty South gerecht zu werden und hat sich dafür die Hilfe von Pharrell Williams geholt.

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Blog für Musik & Senf