Review: Mac DeMarco – Another One

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Noch eins. Und schon wieder. Auf den ersten Blick hat Mac DeMarco mit der Titelauswahl für sein neues, kürzeres Mini-Album Geschick darin bewiesen, sich selbst in Kürze zu rezensieren. Die musikalische Rezeptur des vom charismatischen Chaoten selbst so deklarierten Jizz-Jazz hat sich seit Salad Days nicht allzu stark gewandelt; der Sound bleibt weiterhin vor allem auf der klaren, hook-orientierten Gitarre und dem laxen Gesang des Songwriters fokussiert, keine von diesen skeletthaften Komponenten könnte in Albumlänge für sich alleine stehend das Interesse an sich halten, das aus deren Kombination mit dem heuristischen Konstrukt aus minimalistischen Percussions und simplen Bass-Lines einhergeht – mal wieder. Was hält uns davon ab, Another One mit einem beherzten „Schon wieder so eins von so einem?“ in dieselbe Ecke des zerebralen Systems zu pfeffern, in der womöglich schon Salad Days oder gar Rock and Roll Nightclub deponiert liegt?

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Review: Chelsea Wolfe – Abyss

Chelsea Wolfe - Abyss

Sie sieht aus wie die raffinierte, stilvolle Version einer Gothic Fürstin und macht hervorragende, genreübergreifende Musik; von avant-garde Folk, darkfolk, so etwa in Kooperation mit der ähnlich obskuren Gestalt King Dude, über Industrial, metallische sowie auch intimere Töne ist alles dabei, was Chelsea Wolfe gerne aufwendet, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Und wer nicht ohnehin schon in ihren Bann gefallen war, den hat sie spätestens mit dem Game of Thrones Trailer, bzw. eher dem imposanten Lied Feral Love, welches dort die Soundkulisse liefert, gekriegt. Das dazugehörige Album Pain is Beauty galt für einige schon als eine Art Höhepunkt in Wolfes Diskographie, doch nun will Abyss noch höher steigen, oder eher noch tiefer hinein in den Abgrund.

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Review: Touchy Mob – Let My Wild Boys Shine in the Boomers

Touchy Mob – Let My Wild Boys Shine in the Boomers

Ein kurzes, nicht zur Nachahmung oder akademischen Verwertung geeignetes Gedankenexperiment; man nehme einen faustgroßen Stein und werfe ihn zur Berliner Prime-Time, ob nun Montag mittags oder Samstags gegen 4 Uhr am Morgen, in eine nicht näher definierte Menschenmenge. Wie viele Musiker hat man wohl mit diesem einen beherzten Wurf verletzt oder dahingerafft? Drei? Vier? Und wie viel mehr Musiker würden an den Ort des Verbrechens eilen, um den dumpfen Aufprall des Wurfgeschosses aufzunehmen und diesen zu samplen? 30? Unter diesem musischen Mob wäre Ludwig Plath, a.k.a. Touchy Mob, wahrscheinlich der Einzige, der zumindest die (musikalische) Intimität dazu besäße, nach der Aufnahme die Verletzten händehaltend bis ins Krankenhaus zu begleiten und dort eine Ode für sie zu schreiben, sei es um ihrer Genesung oder der trauernden Angehörigen willen.

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Review: Tame Impala – Currents

Tame Impala - Currents

Da batikt man sich sein ausgewaschenes T-Shirt in alle Farben des Regenbogens, um sein Äußeres dem Inneren anzupassen und auf dem Konzert den ungeduschten Speck zu schütteln – letzten Endes führt der Weg dann doch in die kuscheligen, da anonymen und gesichtslosen Sphären der Disko. Auch ein Kevin Parker kann sich diesem Sog nicht vollends entzogen haben, umso weniger auch seine Kopfgeburt Tame Impala; zeugte zum Beispiel Solitude is Bliss auf seinem Debütalbum Innerspeaker mit Zeilen wie „There’s a party in my head/ and no one is invited“ von einer gewissen soziophoben Ader, die bis ins Zweitwerk Lonerism hinein immer wieder auf seiner musikalischen Stirn pochte, so ist sein neuestes Werk, Currents, die reichlich verspätete Einladung zur selbigen Party. Parkers mehrfach bekundete Faszination gegenüber der Atmosphäre in Clubs und auf Raves bringt einen auf den ersten Blick radikalen Bruch mit dem Vergangenen, der Sensationsgeilen wie alteingesessenen Fans zu knabbern gibt.

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Review: Binoculers – Adapted To Both Shade And Sun

Binoculers - Adapted To Both Shade And Sun

“…but the stars are the brightest where the water is black“. Eine schlichte Zeile, die sowohl die charmant-absurde Logik als auch die kosmisch-romantische bis düstere Szenerie und Bildsprache des neuen Albums Binoculers‘ auf den Punkt zu bringen vermag. Unter den anmutig gehauchten Zeilen der Sängerin Nadja Rüdebusch schreitet unterdessen ein stattliches Klavier, das zum Ende des Tracks in den entzückend hymnischen, scheinbar unendlichen Refrain versinkt. Auch der Albumtitel Adapted To Both Shade And Sun spielt mit jener Kontrastmetapher, die auf jeglicher ihrer zu interpretierenden Ebenen zum zentralen Thema des Albums wird. Nachdem das Hamburger Duo nämlich 2013 mit dem wundervollen, äußerst folklastigen Zweitlingswerk feststellen musste, There Is Not Enough Space in the Dark, scheinen sich die seit jeher beengten Binoculers aus dem lauschigen Schatten des Kammerfolks heraus ins Licht, vielmehr ins Rampenlicht, gewagt zu haben – denn bühnenreif ist ihre neue Scheibe allemal.

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Blog für Musik & Senf