Video der Woche: Valentino Khan – Make Some Noise

Applaus für den neuen Beitrag aus der unregelmäßigen Reihe Cheesy EDM Videos. Dabei ist zwar eigentlich zunächst vieles, wie auch bei den letzten dieser Reihe. Der Song von Valentino Khan bewegt sich geradeso an der Grenze zum Hörbaren, das Video ist unsagbar trashig. Auch wenn DJ Snakes Turn Down For What die Messlatte durch perfekte Slomos schon sehr hoch legte, überbietet Valentino Khan diese in Punkto Trashigkeit wohl doch noch.

Dabei ist nichtmals die Rede von Khans perfekt gestyltem Schnurrbart oder der stilecht beschissenen Bildqualität. Nö, die Stadt, in der das Video spielt, wird von einem überdimensionalen, Feuer spuckenden Alpaka angegriffen, das selbst rollenden Panzern und Maschinengewehren mühelos standhält. Normal. Wer ist überhaupt nochmal dieses Godzilla?

Review: Peaking Lights – Cosmic Logic

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Irgendwo zwischen der Zukunft und der  Vergangenheitsbewältigung befindet sich die sagenumwobene Grauzone der Nostalgie, der liebevollen Hingabe zu Vergangenem, wenn es um die Gestaltung von Künftigem geht. Schon Machiavelli bestand auf der Notwendigkeit, die Vergangenheit zu verstehen, um der Zukunft Herr zu werden; und so es ist nur verständlich, dass wir diesen einfachen, logischen Zusammenhang penibel in Wissenschaften und Künsten verfolgt haben, um es auch weiterhin zu tun. Hatten Peaking Lights ähnliches im Sinn, als sie sich im Jahre 2006 der Vision von „Fucked Modern Pop“ verschrieben? Denn trotz dem „Modern“ in ihrer Agenda strotzt die Musik von Aaron Coyes und Indra Dunis, die auch in ihrem Privatleben als Ehepaar auf gemeinsamen Pfaden wandeln, vor offensichtlichen Einflüssen aus der Vergangenheit. Synthesizer-Wellen und Drum-Machines a lá 70’s verbinden sich zum Beispiel auf Lucifer, ihrer letzten LP, sowohl mit dem einfühlsamen Bass als auch den oft verfremdeten Vocals von Dub und der Leichtigkeit von Pop, um sich im Hirn einzunisten – das Duo behauptet nicht von sich selber, schon an ihrem Ziel angekommen zu sein, und somit wagen sie mit ihrer neuen LP Cosmic Logic einen weiteren Schritt in dessen Richtung. Leider gehen sie damit nur einen Schritt vor und zwei wieder zurück.

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Review: Alt-J – This Is All Yours

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Freunde der Geometrie, was hat es eigentlich mit dieser ominösen Dreiecks-Ästhetik auf sich? Man möchte fast meinen, blinde Illuminaten hätten ihre Finger im Spiel gehabt, so viel verdächtige Propaganda gab es in den letzten Jahren, obwohl kaum einer weiß, wofür sie eigentlich wirbt. Unter den unzähligen Interpretationsvarianten scheint das vermeintliche Symbol des Jungseins aktuell vielleicht noch am geläufigsten zu sein. Die einen tragen die schicke Triangel auf ihrem Shirt oder stechen sie sich gleich unter die Haut, die anderen wiederum benennen ihre Band nach der amerikanischen Tastenkombination des Deltas. Drücke Alt-J und du erhältst – ja was erhältst du eigentlich? Wenn das Delta nicht gerade einen Buchstaben im griechischen Alphabet oder aber eine mathematische Differenz repräsentiert, scheint es sich mittlerweile in der Musikszene als Synonym und Markenzeichen für die gleichnamige britische Band etabliert zu haben. Schließlich landeten Alt-J 2012 mit ihrem Debüt An Awesome Wave einen Volltreffer und überzeugten mit ihrer unorthodoxen, sehr kunstvoll verwobenen Mixtur aus ungeniertem Folk und äußerst rhythmischem Pop. Mit Unsterblichkeit wurden die Briten dafür zwar trotz der tiefgründigen Symbolik nicht gesegnet, jedoch haben sie als Belohnung noch im selben Jahr den renommierten Mercury Music Prize abgestaubt.

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Review: Death From Above 1979 – The Physical World

Death From Above 1979 - The Physical World

Zu Beginn ein kopffüllendes Dröhnen, ohne Vorwarnung von einem schonungslos bewegenden Schlagzeugspiel abgelöst und um einen kratzigen, aufreibenden Bass mit der humoristischen Note einer ekstatisch steppenden Kettensäge ergänzt– schon die ersten Sekunden des Intros Cheap Talk erinnern die Musikwelt schlagartig daran, welch einen herben Verlust sie vor acht Jahren mit der Auflösung von Death From Above 1979 erlitten hat. So überraschend, wie sich das Schlagzeug/Bass-Duo um Sebastien Grainger und Jesse F. Keeler im Jahre 2004 nach einer sehr gelungenen EP mit ihrem betont minimalistischen, aber umso mehr bombastischen Dance-Punk-Sound auf You’re a Woman, I’m a Machine gemeldet hatte, war es nur zwei Jahre später zur Auflösung der Formation gekommen; während sich Grainger und Keeler jeweils in neuen Projekten wie z.B. dem Elektro-Duo MSTRKRFT versuchten, blieb ihrer Fangemeinde nur das archaische Studieren des wenigen Materials, um dem Geheimnis von Death From Above 1979 auf die Schliche zu kommen. Was machte sie so herzhaft; und was machte ihre Abwesenheit so schmerzhaft? War es der krasse Gegensatz zwischen der spärlichen Instrumentierung und dem satten, erfüllenden Sound der Band? Deren gekonnte Mixtur aus tanzbaren Beats, infektiösen Hooks, teils manisch geschrienen Vocals und diesem Bass, der wie eine fünf Meter große Hummel durch den Gehörgang zu brummen schien– oder einfach die Tatsache, dass Punk bis dato nur selten so Pop-tauglich und trotzdem so authentisch war?

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Video der Woche: Karen O – Ooo

Was soll man tun, wenn ein Regisseur es einfach drauf hat? Schon letztes Jahr drehte Spike Jonze, auch Regisseur von Being John Malkovich oder Her, eins der vielleicht besten Livevideos aller Zeiten für Arcade Fire und dieses Jahr vollbringt er gar das Kunststück, ein Musikvideo zu drehen, das als solches höchstwahrscheinlich nicht einmal gedacht war.

In einer Vorbereitungspause von zehn Minuten folgt Spike Jonze in dem gerade mal knapp zweiminütigen Video nämlich einfach der Schauspielerin Elle Fanning und fängt sie dabei perfekt ein – haargenau, wie man es von seinen Filmen kennt. Der dadurch entstandene sehr intime Charakter kommt dem des neuen Karen O Albums Crush Songs sehr nahe. Auch hier sind viele Songs ganz spontan in ihrem Schlafzimmer entstanden. Wieder ein nahezu perfektes Video von Spike Jonze.

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