Review: Rangleklods – Straitjacket

Rangleklods - Straitjacket

Das erste, was am neuen Album „Straitjacket“ von Rangleklods auffällt, ist wohl, dass hinter dem Namen nun nicht mehr ein, sondern zwei Menschen stecken. Konnte man Esben Andersen mit „Beekeeper“, seinem Debütalbum von 2012, noch als Solokünstler wahrnehmen, obwohl seine derzeitige Partnerin in crime Pernille Smith-Silvertsen damals auch schon am Projekt beteiligt war, ist das auf der neuen Platte unmöglich geworden. Viel zu präsent ist die glasklare Stimme von Smith-Silvertsen und viel zu gut harmoniert die Zweierbesetzung abseits von spießiger Duetthaftigkeit. Schön hört sich das an, zwischendurch wie Björk oder Kate Bush, die Erweiterung macht durchaus Sinn.

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Review: Kamasi Washington – The Epic

Kamasi Washington - The Epic

Zeit ist das, was wir nicht haben, und in drei Stunden davon könnte man so einiges schaffen. Man könnte hunderte von halbherzig überflogenen Artikeln, Binsenweisheiten und angeblich lustigen Bildern im Netz finden und sie allesamt in der Tab-Leiste sammeln, um sie dort vor sich hingammeln zu lassen und nie wieder zu beachten; man könnte eine kleine Reise mit dem Zug antreten, um sich von der langweilig vorbeirauschenden Außenwelt berieselt von Punkt A nach Punkt B, der vielleicht sogar in einem anderen Land liegt, befördern zu lassen – oder einfach abenteuerlustig beim Punkt A verbleiben, sich ein 174-minütiges Jazz-Album anhören und die Punkte B bis Z in den eigenen Hirnwindungen und Synapsen ausmachen. Zugegebenermaßen sind heute solche dreistelligen Spielzeiten eher den verführenden Welten des Films zuzutrauen als einem einnehmenden Album und die Anforderungen, die hier vom Künstler gestellt werden, keine niedrigen; doch wahrscheinlich geht es dem Tenorsaxophonisten und Komponisten Kamasi Washington mit The Epic gerade darum. Sah sich derselbe vor wenigen Monaten noch als Sideman dazu berufen, mit seinem musikalischen Know-How moderne Klassiker wie You’re Dead! vom Label-Papa Flying Lotus oder Kendrick Lamars To Pimp A Butterfly um die professionell jazzigen Noten zu bereichern, für die diese Werke einschlägig als bahnbrechend, saugeil oder zumindest als Next Level Shit deklariert wurden, so scheint das Anliegen seines Debüts in nichts Geringerem als der Zerstörung von Hörgewohnheiten mittels Altbewährtem zu liegen. Das „Einmal komplett durchhören“-Prinzip stößt bei The Epic und seinen drei (!) CD’s auf die Grenzen der eigenen Aufnahmefähigkeit; man kann sich natürlich dem Geiste des Gonzos folgend Hals über Kopf in die Exkursionen aus Soul, Funk, Jazz, Bebop und co schmeißen und so verwirrt aus dem Ganzen herausgehen, dass Jazz eben wie das wirkt, was es in Kamasi Washingtons Augen nicht sein müsste; nämlich unnahbar.

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Zolin Sagt 026: Lavender Worm – 16.05.2015

Podcast 026kl

Wer bei finnischer Musik nur an Metal in all seinen verschiedenen Formen denkt, dem entgehen zum Beispiel interessante Genres wie Skweee. Und da wir bei Finnland natürlich alle an metallische Musik denken, wissen die meisten tatsächlich nicht, was es mit Skweee auf sich hat. Aber nicht verzagen, Onkel Wikipedia hat selbstverständlich eine kleine Zusammenfassung:

Skweee ist ein aus Schweden und Finnland stammendes Genre der elektronischen Musik. Skweee vereint einfache Synth-Loops und Bass-Linien mit Funk, R&B oder Soul-ähnlichen Rhythmen. Die Songs sind meist instrumental.

Eine der momentan interessantesten Persönlichkeiten des Genres ist der aus Helsinki stammende Juhani Marjanen. Einerseits ist der selbsternannte Pfeifen-Connaisseur Mitglied der Skweee-Supergroup Yöt, andererseits hat er als Lavender Worm erst kürzlich eine grandiose Debüt EP veröffentlicht. Für Zolin hat er nun ein paar seiner persönlichen Favoriten sowie einige Tracks, die große Ähnlickeiten zur Skweee-Bewegung besitzen, zusammengestellt. Also durchhören und mit deinem Wissen über finnische Musik vor deinen Freunden angeben! Jackpot!

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Review: Bell Witch – Four Phantoms

bell witch Four Phantoms

Funeral Doom ist ein schönes Genre, so paradox das auch klingen mag. Es bietet sich an für jene, denen die mid-und slowpace Soundlandschaften des Atmospheric Black Metal immer noch nicht slow und grüblerisch genug sowie der herkömmliche Doom eine Ecke zu optimistisch ist. Wie man sich denken kann, hat der gute Funeral Doom weltweit nicht allzu viele Vertreter, daher ist es umso besser, wenn eine talentierte Band wie in diesem Fall Bell Witch mit einem neuen Album in der Richtung auf den Plan tritt. Four Phantoms ist das erste große Werk der US-Amerikaner seit dem überaus wohlwollend von der Metal-Community aufgenommenen Debüt Longing, das 2012 auf Profound Lore, dem Garant für tiefgründigen düster Metal erschien.

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Video der Woche: The Chemical Brothers – Go

Um ehrich zu sein, war bei der Ankündigung, dass endlich mal wieder ein neues Video von Michel Gondry erscheint schon klar, dass es auch mindestens eins der besten der Woche werden würde. Schließlich ist Gondry nicht nur für großartige Filme wie Be Kind Rewind (dt: Abgedreht) mit Jack Black und Mos Def oder Eternal Sunshine of the spotless mind (dt: Vergiss mein nicht!) verantwortlich, sondern ist mit Spike Jonze auch eigentlich DER Musikvideoregisseur der 90er. Auf seinem Mist sind unter anderem Foo FightersEverlong, Daft Punks Around The World oder The Chemical Brothers Star Guitar gewachsen.

Mit letzteren hat er sich nun wieder für ihr neues Video Go zusammengetan. Ohnehin scheinen die beiden Briten von Chemical Brothers auf einem Retro Trip zu landen. Die Vokale steuert nämlich A Tribe Called Quests Zeremonienmeister Q-Tip bei, wie auch schon auf dem letzten großen Hit der Chemical Brothers, Galvanize. Der konnte aber immerhin noch durch eine unglaubliche Härte punkten, Go wirkt dagegen nicht nur seltsam Dancefloor orientiert, sondern auch tatsächlich richtig schwach. Da das aber nicht für’s Video gilt, ist Go das verdiente Video der Woche. Gondry sei dank!

Blog für Musik & Senf