Video der Woche: Björk – Family

Bereits Mitte Januar veröffentlichte Björk ihr neuntes Solo Album Vulnicura – und das obwohl das Release erst für Mitte März angekündigt war. Zumindest mit der Veröffentlichung einer physischen Version des Album ließ sie sich dann aber doch noch Zeit. Ob das letztendlich noch Auswirkungen auf die tatsächliche Hülle hatte, kann man zwar bezweifeln, dennoch ist das Artwork der Deluxe Edition besonders schön ausgefallen. Im Gegensatz zum Standard Cover sehen wir nämlich eine animierte, quasi schmelzende Björk in einer Yoga Position auf einem Stein gebettet. An ihrem Herzen ein direkter Zugang zu diesem. Sprich die perfekte Visualisierung und Zusammenfassung eines sehr ehrlichen und fast reinigend wirkenden Albums.

Wieso an dieser Stelle ein Aufriss zu Björks Album Cover steht? Weil für den von Haxan Cloak produzierte Track Family das Albumcover als Video animiert wurde und die gesamte Geschichte des Covers eindrucksvoll erzählt. Es abstrahiert Björks Leben nach der Trennung von ihrem Ex Matthew Barney: Zunächst ist sie gefesselt auf einem Stein in nahezu vollständiger Finsternis mit einem Riss auf ihrem Herzen. Nach und nach erhellt sich ihre Umgebung und aus ihrem Herzen strömt Plasma, sodass sie sich von dem Stein lösen kann. Der Herzriss wird mit fortschreitender Videodauer indessen immer mehr zugenäht, bis Björk am Ende vollständig regeneriert aufsteht.

Review: Enslaved – In Times

Enslaved - In Times

Enslaved sind seit jeher der lebendige Beweis dafür, dass im Black Metal Progression und „Trueness“ in Wirklichkeit streng miteinander verbunden sind. Progression meint in diesem Falle nicht nur den bloßen Progressive-Faktor in der Musik, sondern vor allem die Schaffung einer ausgeprägten eigenen Identität, die von Szenetrends abweicht. So war Enslaved tatsächlich auch verbunden mit dem inneren Zirkel des ursprünglichen „True Norwegian Black Metal“, also des nordisch-satanischen Metals von Euronymous & Co – Vikingligr Veldi, Enslaveds Klassiker schlechthin, erschien gar auf Deathlike Silence Productions – und doch grenzte sich die Band früh vom satanischen Gehabe ab, sang lieber über nordische Mythologie und griff früh auch auf Folk- und Progressive Metal Elemente zurück.

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Review: Prezident – Handfeste EP

Prezident - Handfeste EP

Prezident ist ein Phänomen in Rapdeutschland: Kaum ein anderer Rapper verfügt über seine Eloquenz, seine unausweichliche wie gut begründete, schlechte Laune oder auch nur seine Sturköpfigkeit und Konsequenz in Sachen Sound. Immer noch bespielt er die kleinsten Venues der Republik und reißt ab. Seine Fans sind dermaßen mit dem Herzen dabei, dass sie seine Endlosparts im Schlaf mitrappen können und sich über free downloads beschweren, weil sie neue Releases lieber bezahlen wollen. Man kann also guten Gewissens alles, was um Prezident passiert, als Underground definieren.

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Video der Woche: Romano – Metalkutte

Der Hustler mit dem schönen Haupthaar und der 49ers Jacke ist zurück. Dieses Mal zwar ohne seinen kongenialen Partner Siriusmo, dafür jedoch mit seiner ersten eigenen Single Metalkutte. Und diese wirkt, wie auch schon sein gemeinsames Video zu Itchy/Cornerboy mit Siriusmo, einmal mehr… befremdlich. Ein Grund hierfür ist natürlich das nordische Auftreten Romanos. Dadurch wirkt er eher wie ein Vertreter der härteren Gangart. Bis er den Mund aufmacht und auf einem trappigen Beat wunderschöne Lines über sein Lieblingskleidungsstück spuckt. Das ist nämlich doch nicht die 49ers Jacke, sondern seine Metalkutte.

Dass es sich dabei zwar nur um Koketterie handelt, ist eigentlich nebensächlich, dafür ist das Endprodukt auch zu unterhaltsam. Nerdbonus gibt’s außerdem für die Erwähnung von Deathspell Omega und Blut Aus Nord. Im Video tanzen hinter Romano dann noch trvere Genrevertreter passend zur Musik. Ein wunderbarer Move: Einfach mal Metal- und HipHop-Heads gleichermaßen irritieren – und das auch noch mit einem wunderbaren Track. Ein Album dürfte nach dem bekanntgemachten Deal mit Virgin sicherlich bald folgen. Welche Themen sonst noch abgeackert werden bleibt ein Geheimnis, aber Romano ist wahrscheinlich schon jetzt einer der interessantesten deutschen Newcomer.

Review: Joanne Robertson – Black Moon Days

Joanne Robertson - Black Moon Days

Dieses Gefühl, als man The Redeemer das erste Mal auf den Plattenteller warf – ob es inbrünstige Ekstase oder tiefe innere Bestürzung war, blieb letztlich unklar. Vielleicht auch beides zugleich, denn ein so experimenteller Pop-Sound, bestehend aus einem derart ungewöhnlich kunstvollen Sample-Verkehr, den seltsam atonalen Synthie-Kompositionen und der tiefen, souligen Stimme Dean Blunts, traf so manchen unvorbereitet und lähmend wie ein Blitz. Das musste erst einmal verdaut werden. Gelegenheit dafür bot der im Albumkontext zwar unwirklich schlichte, dennoch selten schöne Folk Track Imperial Gold im letzten Viertel. Bloß ein leises Gitarrengezupfe und Blunts Brummen, das sich um eine schier engelsgleiche Frauenstimme zu winden schien. Doch wem gehörte sie noch gleich? Seine bessere Hälfte Inga Copeland, mit der er schon seit Hype Williams eng und regelmäßig zusammen arbeitete, war nämlich diesmal nicht am Mikrophon. Blunt scheint eine neue Gefährtin gefunden zu haben, die ein ebenso fester Bestandteil in seinem folgenden kreativen Output, nämlich Stone Island und dem letztjährigen, grandiosen Black Metal, wurde.

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